Archiv der Kategorie: Hefte

Starnberger Hefte 31: Das gelungen Leben

Den Anstoß zum Motto „Das gelungene Leben“ gab eine Erzählung mit diesem Titel, in der es aber nicht um Erfolgs-Tipps geht, sondern um Beobachtungen und Gedanken im Kehrwasser des Lebensstroms. Gute Ratschläge vermittelt eher der Text über „Ikigai“, einen Begriff, der im Japanischen für eine sinnerfüllte und harmonische Einstellung zum Leben und die damit verbundenen Tätigkeiten steht.

Überhaupt ist das Verbindende der meisten Beiträge, dass sie Momente im Jahrmarktsrummel des Lebens festhalten, in denen das Ganze ins Blickfeld gerät. Bei Wolfgang Döbrichs Darstellung seiner Zeit als Studentenpfarrer in München geht es um eine lebensprägende Phase. Das Altersspektrum der Verfasser reicht von der Teenagerzeit (Laura Lieb: „Gewinnen“) über die frühen und mittleren Jahre bis in den höheren zweistelligen Bereich, den der Psalmist uns zuweist, damit wir die Starnberger Hefte als unser kleines „Ikigai“ betreiben können.

Die Redaktion

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Starnberger Hefte 30: Süden

Themen wie „Soldaten“ und „Macht“ haben wir in unseren beiden letzten Heften noch mit der Unbefangenheit und in der Illusion friedlicher Zeiten behandelt. Nun schlägt mitten in Europa die Pranke des Krieges mit voller Wucht zu. Pensionierte Militärs geben mit ernster Stimme und müden Augen ihre Lagebeurteilungen ab, junge Politikerinnen und wohlinformierte Journalisten fordern temperamentvoll eine Ausweitung des Einsatzes.

Die Starnberger Hefte versuchen demgegenüber mit ihrem Motto „Süden“ etwas Entlastung zu schaffen, einen Fluchtpunkt für die Phantasie und die Erinnerung daran, wie wir von unseren europäischen Nachbarn beim jugendlichen Aufbruch gastfreundlich auf- und mitgenommen wurden. In die eigene Ratlosigkeit melden sich Stimmen aus früheren Kriegszeiten, etwa von J. P. Hebel: „ … denn der Krieg soll nie ins Herz der Menschen kommen. Es ist schlimm genug, wenn er außen vor allen Toren und vor allen Seehäfen donnert.“ (Unglück der Stadt Leiden, 1808) Unvergessen auch Eduard Mörikes Gedanken an unsere deutschen Krieger von 1871: „Bei euren Taten, euren Siegen / Wortlos, beschämt, hat mein Gesang geschwiegen. / Und manche, die mich darum schalten / Hätten auch besser den Mund gehalten.“

Die Redaktion

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Starnberger Hefte 29: Macht

Kampf der Pallas Athene gegen die Dämonen der Dummheit. Tür zur Bibliothek des Klosters Polling (Johann Baptist Baader, 1779) – Foto: Werner Bauer, mit Genehmigung des Vereins der Freunde des Pollinger Bibliothekssaals e.V.

In den Fünfzigerjahren kannte und praktizierte man „Schiebewurst“. Eine Scheibe Pressack oder Schwartenmagen für drei Brote. Man schob die Scheibe mit den Zähnen von der ersten Schnitte auf die zweite, später auf die dritte, und erst dann biss man hinein. – Ganz ähnlich ging es uns in der Redaktion mit dem Thema „Macht“. Kritik an der Ausübung von Macht fällt leichter, wenn dies in fernen Ländern oder zumindest in fremden Lebensbereichen geschieht. Richtet man die Kritik aber ins eigene soziale Umfeld, hält die deutschen Sprache das schöne Wort „Nestbeschmutzer“ bereit. In der Begegnung mit Macht werden die Grenzen des eigenen Muts deutlich, und nach dem Einlenken gegenüber der Macht rät einem die Scham, nun doch lieber den Mund zu halten.

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Starnberger Hefte 28 : Soldaten

Das Thema „Soldaten“ war in der Redaktion umstritten. Schließlich ist es heute für die meisten jungen Leute historisch, und „Wehrpflichtige“ werden seit 2011 in der Bundesrepublik nicht mehr eingezogen.

Beim Rückblick auf die „Wehrdiensterlebnisse“ fällt einerseits auf, wie viel jugendlicher Rigorismus damals die politischen Gespräche und die generelle Militärkritik prägte. Andererseits war dann die Realität der Bundeswehr nicht so schlimm wie die Befürchtungen zuvor, genährt durch die Familienschicksale, vorgebracht zumeist von den Müttern. Aber vielleicht haben gerade die mangelnde Begeisterung fürs Militär, die steigende Zahl der Wehrdienstverweigerer, die in beiden Teilen Deutschlands wirksame Friedensbewegung der 80er-Jahre zum insgesamt positiven Verlauf des Jahres 1989 beigetragen.

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Starnberger Hefte 27: Jugendsünden

Die Anregung zum Motto »Jugendsünden« gab die Berggeschichte »Die Jugend
von heute« des Aschaffenburger Musikpädagogen und Bergsteigers Joseph
Hurler (1921-1979). Der gebürtige Steingadener hatte für die »Bergwelt«
des Verlegers Rudolf Rother zahlreiche Beiträge geschrieben, aber am 5.
Mai 1974 temperamentvoll seine Mitarbeit aufgekündigt: »Schluß damit,
endgültig. In dieser Redaktion wird von mir kein Wort mehr gedruckt.« So
landete die Geschichte über die freundliche Vermittlung von Hurlers
Aschaffenburger Kollegen und Nachlassverwalters Klaus Großschmidt bei den »Starnberger Heften«, eine seltsame Spiegelung der 68er-Generation als junge Leute, wie unter Gletschereis bewahrt.

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Starnberger Hefte 26: sich ändern

Wer sich an seinem runden Geburtstag vor einem religionsskeptischen Freundeskreis überraschend als katholischer Konvertit zu erkennen gibt, wird in entgeisterte Gesichter blicken. So geschah es Alfred Döblin am 14.8.1943 in Kalifornien. Brecht reagierte mit dem Gedicht Peinlicher Vorfall. Der Germanist Johannes Schmied hat die Hintergründe untersucht.

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Starnberger Hefte 25: Die nächstgelegene Großstadt

Beim Motto „die nächstgelegene Großstadt“ ist die Perspektive vom Umland auf die urbanen Zentren ausgerichtet. Das ist auch der Weg vieler junger Leute in Richtung Beruf oder Studium. In unseren Beiträgen verschlägt es die Töchter Starnbergs nicht nur nach München, sondern auch nach Berlin, London oder auf eine Bushaltestelle in Seoul. Dass fürs Fünfseenland, historisch gesehen, einmal Rom die nächstgelegene Groß- und Hauptstadt war, kommt in zwei Beiträgen zur Sprache. Der eine schildert die Sehnsucht eines römischen Gutsherrn bei Leutstetten nach der fernen Metropole, der andere erläutert die Bilder von Stadt- und Landleben bei Horaz.

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Starnberger Hefte 24: Werke und Tage

Das Motto „Werke und Tage“ verschwimmt aquarellartig wie die meisten Themen unserer Hefte. Kristallisationskern sind Tagebuchnotizen des Starnberger Lehrers, Literaten und Cineasten Olaf Neumann (1939-2017), deren Reihe wir fortsetzen. Gedichte, Erzählungen und Erinnerungen zu den Motivkreisen „Arbeit“ und „Alltag“ schließen sich an.

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Starnberger Hefte 23: über alle Berge

Während der Vorbereitung dieses Hefts ging unserer Mini-Redaktion ein Aphorismus unseres Autors Roger Schöntag nicht aus dem Sinn. In seinem jüngsten Buch „Stromschnellen“ schreibt er: Alpinismus, Reisen, Wissenschaft und Literatur – die vier Säulen des Müßiggängers. Natürlich, als Romanist denkt er an das lateinische Wort „otium“: ein Müßiggang, der keinen materiellen Gewinn abwirft, aber durchaus mit Anstrengungen verbunden ist, die man jedoch nicht als Belastung empfindet. So verhält es sich auch mit den Bergfahrten und Bergerlebnissen, für viele eine der Säulen ihrer Lebensfreude. Menschen, die in Bergtälern aufwachsen, können die Verhältnisse natürlich auch anders erleben: Enge und Rückständigkeit, unsichtbare Zäune.

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Starnberger Hefte 22: Begegnungen

Cover

Das Motto dieses Heftes wurde durch einen literarischen Fund aus dem Kreis unserer Leser inspiriert. Hannelore Büchting entdeckte im Nachlass ihres Mannes die Schilderung einer Begegnung Thomas Manns mit dem Maler Ernst-E. Ulbrich (1921-1982), der den Dichter am 3.8.1947 im Züricher Hotel Baur au Lac porträtiert hatte. Außerdem gelang es ihr, die damals entstandene Zeichnung im Thomas-Mann-Gymnasium Karlsruhe-Stutensee ausfindig zu machen. Ernst-E. Ulbrich – von seinen Kommilitonen an der Karlsruher TH »Pinsel« genannt – war nicht nur als Porträtist talentiert, sondern auch als Erzähler und Beobachter. Die Haltung gegenüber dem Dichter ist respektvoll, fast devot; andererseits zeichnen sich auch gemischte Empfindungen des kriegsversehrten Künstlers – er kommt auf Krücken – angesichts des weltläufigen Emigranten ab.

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