Starnberger Hefte 24: Werke und Tage

Das Motto „Werke und Tage“ verschwimmt aquarellartig wie die meisten Themen unserer Hefte. Kristallisationskern sind Tagebuchnotizen des Starnberger Lehrers, Literaten und Cineasten Olaf Neumann (1939-2017), deren Reihe wir fortsetzen. Gedichte, Erzählungen und Erinnerungen zu den Motivkreisen „Arbeit“ und „Alltag“ schließen sich an.

Literarischer Pate ist der altgriechische Rhapsode Hesiod mit seinem Lehrgedicht Werke und Tage. Das Motiv einer nicht euphorischen, nüchternen Alltäglichkeit erscheint auch in einer Stelle aus Kleists Michael Kohlhaas: „Und die Koppel der Pferde, die er bei sich führte, einige Wochen darauf, zu seiner Zufriedenheit, verkauft, kehrte er, ohne irgend weiter ein bitteres Gefühl als das der allgemeinen Not der Welt, zur Tronkenburg zurück.“ (Reclam-Ausgabe S. 11)

Bleibt zu ergänzen, dass im Frühling 2020, in einer durch Infektionsgefahr und drohende Quarantäne bestimmten Lage, die für viele blockierte Arbeitswelt in ihrem Einheitsgrau durchaus begehrenswert strahlt.

Die Redaktion

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Starnberger Hefte 23: über alle Berge

Während der Vorbereitung dieses Hefts ging unserer Mini-Redaktion ein Aphorismus unseres Autors Roger Schöntag nicht aus dem Sinn. In seinem jüngsten Buch „Stromschnellen“ schreibt er: Alpinismus, Reisen, Wissenschaft und Literatur – die vier Säulen des Müßiggängers. Natürlich, als Romanist denkt er an das lateinische Wort „otium“: ein Müßiggang, der keinen materiellen Gewinn abwirft, aber durchaus mit Anstrengungen verbunden ist, die man jedoch nicht als Belastung empfindet. So verhält es sich auch mit den Bergfahrten und Bergerlebnissen, für viele eine der Säulen ihrer Lebensfreude. Menschen, die in Bergtälern aufwachsen, können die Verhältnisse natürlich auch anders erleben: Enge und Rückständigkeit, unsichtbare Zäune.

Aufbruch und beklemmende Enge – beides wird in den Beiträgen dieses Heftes thematisiert.
„Über alle Berge“ ist auch einer, der entwischt und davonkommt, der von der Obrigkeit Gesuchte, dem die Flucht gelungen ist. Auch diese Lesart unseres Mottos greifen die Gedichte und Geschichten des Hefts auf.

Von allem ein bisschen steckt im Titelbild, das die „Flucht nach Ägypten“ darstellt, Josef mit Weihwasserwedel im Rucksack und Maria mit praktischer Reisehandtasche. Das Fresko entstand um 1800 und stammt von Giorgio Boneto (1746 bis nach 1828), einem armen Wandermaler, der in den Bergtälern des Piemont Hausmauern und Säulen aus grauem Bruchstein mit seinen leuchtenden Fresken überzog.

Die Redaktion

Im Heft

  • Thomas Maier-Bandomer Bergsteigers Nachtlied
  • Joseph Hurler Von meinen Bergfahrten
  • Thomas Maier-Bandomer Herzogstandgedicht
  • Julia Behr Leichtes Gepäck
  • Horst Guckelsberger Hinter dem Matterhorn
  • Sabine Rave Erinnerung an Heidi Altmann
  • Giorgio Boneto Fresken im Maira-Tal (Fotos: Werner Bauer)
  • Herbert Kreibich Illimani
  • Eva Ueber-Möller Nix wie weg!
  • Patricia Czezior Zugvögel
  • Karin Schreiber Leben im Montafon
  • Katja Fischer Tochter
  • Annika Mayer Über allen Bergen
  • Roger Schöntag Crudo
  • Inge Geissinger Wanderer in Illusionen

Starnberger Hefte 22: Begegnungen

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Das Motto dieses Heftes wurde durch einen literarischen Fund aus dem Kreis unserer Leser inspiriert. Hannelore Büchting entdeckte im Nachlass ihres Mannes die Schilderung einer Begegnung Thomas Manns mit dem Maler Ernst-E. Ulbrich (1921-1982), der den Dichter am 3.8.1947 im Züricher Hotel Baur au Lac porträtiert hatte. Außerdem gelang es ihr, die damals entstandene Zeichnung im Thomas-Mann-Gymnasium Karlsruhe-Stutensee ausfindig zu machen. Ernst-E. Ulbrich – von seinen Kommilitonen an der Karlsruher TH »Pinsel« genannt – war nicht nur als Porträtist talentiert, sondern auch als Erzähler und Beobachter. Die Haltung gegenüber dem Dichter ist respektvoll, fast devot; andererseits zeichnen sich auch gemischte Empfindungen des kriegsversehrten Künstlers – er kommt auf Krücken – angesichts des weltläufigen Emigranten ab.

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Starnberger Hefte 21: Beim Friseur

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Nach dem ersten Naserümpfen über das allzu triviale Thema flossen die Beiträge reichlich. Ein Besuch beim Friseur – das ist zunächst ein Schritt aus der Wohnung in die Gesellschaft, in die Muße des Beobachtens, ins Gespräch. Man greift zur Illustrierten. Ein Blick aus den Augenwinkeln zum benachbarten Drehstuhl: Ist das nicht die ehemalige Ministerin? Außerdem ist das Thema global: Dauerwellen am Gelben Fluss, der Geruch von verbranntem Horn beim türkischen Friseur. Es hat auch seine juristische Seite: Haareschneiden als potentielle Körperverletzung. Und es reicht in die Tiefe biblischer Mythen. Simson sagt zur schönen Delila: „Wenn ich geschoren würde, so wiche meine Kraft von mir …“ (Richter 16,17; s. unser Titelbild). Nicht zuletzt bilden Friseurbesuche eine Erinnerungs-Kette, die zurück in die Kindheit führt.

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Starnberger Hefte 20: Zeit Reise

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Worzu dienet das studieren/
als zu lauter vngemach?
Vnter dessen laufft die Bach
Vnsers lebens das wir fuͤhren/
Ehe wir es innen werden/
Auff ihr letztes Ende hin;
Dann kömpt (ohne Geist und Sinn)
Dieses alles in die erden.

Ganz im Gegensatz zu dieser Strophe von Martin Opitz wollen wir uns in diesem Heft – bei allem Respekt ‒ nicht der Unerbittlichkeit des Zeitstroms und dem Novembergefühl der Vergänglichkeit überlassen. Vielmehr nutzen wir die Kraft der Imagination, um auf dem Flusslauf der Zeit hin und her zu navigieren. Wir suchen die Stromschnellen auf, wo „Vorher“ und „Nachher“ sich scheiden. Einige recherchieren an den Quellen ihres „Lebensbachs“. Eine bairische Prinzessin der Merowingerzeit durchquert auf der Flucht vor den Franken die Alpen. Wir schauen archäologischen Restauratoren auf die Finger, wenn sie mit Glas und Eisen hantieren, und begutachten die Bilder, die sich Biologen und Künstler von unseren frühmenschlichen Ahnen machen. Wir steigen in Zeitmaschinen, paddeln einfach auf der Luftmatratze der Erinnerung oder stehen am Ufer und warten.

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Starnberger Hefte 19: Projekte

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Bei der Suche nach einem verbindenden Motto kamen wir auf „Projekte“. Das Wort leitet sich von lat. proiectum ab und steht für „das vorwärts Hingeworfene oder Ausgestreckte“. Projekte sind Pläne, Vorhaben, Entwürfe. Gemeinsam ist ihnen das in die Zukunft Gerichtete, Offene, aber auch das Risiko des Scheiterns. Andererseits meinte eine Studentin: „Wenn du einen glücklichen Menschen siehst, dann hat er sicher ein Projekt.“

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Starnberger Hefte 18: Westen

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Die Beiträge zu diesem Heft sind in Richtung Westen orientiert. Ihre Linie führt nach Oberbrunn und nach Paris. Sie folgt den Flüchtlingstrecks Richtung Westen, führt durch Spaniens Religionslandschaften, nach Tobermory nordwestlich von Schottland und schließlich bis ins Reich der Abgeschiedenen, das nach alten Vorstellungen gen Abend liegt. Zum Motivkreis gehören außerdem Motorräder der Marke Harley-Davidson sowie kugelsichere Westen.

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Starnberger Hefte 17: bzw.

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Das Motto »bzw.« deutet es an: Thema dieses Heftes sind Beziehungen, das Spiel von Anziehung und Abwehr, Eroberung und Verweigerung, Erwartung und Initiation. Ein in der Kindheit aufgeschnappter Spruch klingt an, nicht als Lizenz, sondern als Warnung: »In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt.«

Die Texte drehen sich in erster Linie um die »Männer-Frauen-Sache«, wie Petra Morsbach es in einem Auszug aus ihrem Roman »Justizpalast« formuliert. Unter die Rubrik »Beziehungen« fällt außerdem der lange Abschied vom Rauchen (ziehen!), das Verhältnis zu den Franken (»Der Menschentäter«) und die Initiation in die Mysterien der Germanistik. Annemarie Hahne, Starnberger Stadtmalerin seit 2015, steuert eine Serie farbstarker Gouachen zum Thema »Paare« bei, die erst kürzlich entstand.

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Starnberger Hefte 16: abgelegene Gehöfte

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Unter dem Motto »abgelegene Gehöfte« geht es in diesem Heft um Randzonen, einsame Wanderungen, um den Besuch von Räumen, wo die Zeit stehengeblieben ist. Oft sind es Kindheitsorte, manchmal nur eine Dachterrasse (span.: azotea) in Starnberg, dann wieder ein abgelegenes Bergdorf wie Aucapata in Bolivien. Es kann auch ein bukolischer Garten sein wie das Schlösschen Rösselberg, wo sich im Lauf eines Jahres Bärlauch- und Quittenduft ablösen. Die schöne Leere des Wanderns führt zur Begegnung mit Grashüpfern oder füllt sich mit dem Verlangen nach der früheren Geliebten eines Freunds. – Die eskapistische Idylle bleibt nicht unberührt, wird aufgerissen durch Düsenjäger, Begegnungen mit dem Elend und überraschende Wahlergebnisse.

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Starnberger Hefte 15: geschichtet

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Mit dem Motto hatten wir Schwierigkeiten. Es sollte im Heft vor allem um Starnberg und seine jüngere Geschichte gehen. Zwischen Aldi und Tengelmann – das wäre zu despektierlich. Perle am See – zu ironisch. Kleinstadt – nichtssagend. Geschichte und Geschichten – ein Allerweltstitel. Die Lösung brachte Felix Strasser (Berg und Berlin) mit dem Text geschichtet, einem Aphorismus über das Wesen der Geschichte.

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