Archiv des Autors: Susanne Quester

Starnberger Hefte 26: sich ändern

Wer sich an seinem runden Geburtstag vor einem religionsskeptischen Freundeskreis überraschend als katholischer Konvertit zu erkennen gibt, wird in entgeisterte Gesichter blicken. So geschah es Alfred Döblin am 14.8.1943 in Kalifornien. Brecht reagierte mit dem Gedicht Peinlicher Vorfall. Der Germanist Johannes Schmied hat die Hintergründe untersucht.

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Starnberger Hefte 25: Die nächstgelegene Großstadt

Beim Motto „die nächstgelegene Großstadt“ ist die Perspektive vom Umland auf die urbanen Zentren ausgerichtet. Das ist auch der Weg vieler junger Leute in Richtung Beruf oder Studium. In unseren Beiträgen verschlägt es die Töchter Starnbergs nicht nur nach München, sondern auch nach Berlin, London oder auf eine Bushaltestelle in Seoul. Dass fürs Fünfseenland, historisch gesehen, einmal Rom die nächstgelegene Groß- und Hauptstadt war, kommt in zwei Beiträgen zur Sprache. Der eine schildert die Sehnsucht eines römischen Gutsherrn bei Leutstetten nach der fernen Metropole, der andere erläutert die Bilder von Stadt- und Landleben bei Horaz.

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Starnberger Hefte 24: Werke und Tage

Das Motto „Werke und Tage“ verschwimmt aquarellartig wie die meisten Themen unserer Hefte. Kristallisationskern sind Tagebuchnotizen des Starnberger Lehrers, Literaten und Cineasten Olaf Neumann (1939-2017), deren Reihe wir fortsetzen. Gedichte, Erzählungen und Erinnerungen zu den Motivkreisen „Arbeit“ und „Alltag“ schließen sich an.

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Starnberger Hefte 23: über alle Berge

Während der Vorbereitung dieses Hefts ging unserer Mini-Redaktion ein Aphorismus unseres Autors Roger Schöntag nicht aus dem Sinn. In seinem jüngsten Buch „Stromschnellen“ schreibt er: Alpinismus, Reisen, Wissenschaft und Literatur – die vier Säulen des Müßiggängers. Natürlich, als Romanist denkt er an das lateinische Wort „otium“: ein Müßiggang, der keinen materiellen Gewinn abwirft, aber durchaus mit Anstrengungen verbunden ist, die man jedoch nicht als Belastung empfindet. So verhält es sich auch mit den Bergfahrten und Bergerlebnissen, für viele eine der Säulen ihrer Lebensfreude. Menschen, die in Bergtälern aufwachsen, können die Verhältnisse natürlich auch anders erleben: Enge und Rückständigkeit, unsichtbare Zäune.

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Starnberger Hefte 21: Beim Friseur

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Nach dem ersten Naserümpfen über das allzu triviale Thema flossen die Beiträge reichlich. Ein Besuch beim Friseur – das ist zunächst ein Schritt aus der Wohnung in die Gesellschaft, in die Muße des Beobachtens, ins Gespräch. Man greift zur Illustrierten. Ein Blick aus den Augenwinkeln zum benachbarten Drehstuhl: Ist das nicht die ehemalige Ministerin? Außerdem ist das Thema global: Dauerwellen am Gelben Fluss, der Geruch von verbranntem Horn beim türkischen Friseur. Es hat auch seine juristische Seite: Haareschneiden als potentielle Körperverletzung. Und es reicht in die Tiefe biblischer Mythen. Simson sagt zur schönen Delila: „Wenn ich geschoren würde, so wiche meine Kraft von mir …“ (Richter 16,17; s. unser Titelbild). Nicht zuletzt bilden Friseurbesuche eine Erinnerungs-Kette, die zurück in die Kindheit führt.

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Starnberger Hefte 20: Zeit Reise

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Worzu dienet das studieren/
als zu lauter vngemach?
Vnter dessen laufft die Bach
Vnsers lebens das wir fuͤhren/
Ehe wir es innen werden/
Auff ihr letztes Ende hin;
Dann kömpt (ohne Geist und Sinn)
Dieses alles in die erden.

Ganz im Gegensatz zu dieser Strophe von Martin Opitz wollen wir uns in diesem Heft – bei allem Respekt ‒ nicht der Unerbittlichkeit des Zeitstroms und dem Novembergefühl der Vergänglichkeit überlassen. Vielmehr nutzen wir die Kraft der Imagination, um auf dem Flusslauf der Zeit hin und her zu navigieren. Wir suchen die Stromschnellen auf, wo „Vorher“ und „Nachher“ sich scheiden. Einige recherchieren an den Quellen ihres „Lebensbachs“. Eine bairische Prinzessin der Merowingerzeit durchquert auf der Flucht vor den Franken die Alpen. Wir schauen archäologischen Restauratoren auf die Finger, wenn sie mit Glas und Eisen hantieren, und begutachten die Bilder, die sich Biologen und Künstler von unseren frühmenschlichen Ahnen machen. Wir steigen in Zeitmaschinen, paddeln einfach auf der Luftmatratze der Erinnerung oder stehen am Ufer und warten.

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Starnberger Hefte 19: Projekte

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Bei der Suche nach einem verbindenden Motto kamen wir auf „Projekte“. Das Wort leitet sich von lat. proiectum ab und steht für „das vorwärts Hingeworfene oder Ausgestreckte“. Projekte sind Pläne, Vorhaben, Entwürfe. Gemeinsam ist ihnen das in die Zukunft Gerichtete, Offene, aber auch das Risiko des Scheiterns. Andererseits meinte eine Studentin: „Wenn du einen glücklichen Menschen siehst, dann hat er sicher ein Projekt.“

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Starnberger Hefte 16: abgelegene Gehöfte

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Unter dem Motto »abgelegene Gehöfte« geht es in diesem Heft um Randzonen, einsame Wanderungen, um den Besuch von Räumen, wo die Zeit stehengeblieben ist. Oft sind es Kindheitsorte, manchmal nur eine Dachterrasse (span.: azotea) in Starnberg, dann wieder ein abgelegenes Bergdorf wie Aucapata in Bolivien. Es kann auch ein bukolischer Garten sein wie das Schlösschen Rösselberg, wo sich im Lauf eines Jahres Bärlauch- und Quittenduft ablösen. Die schöne Leere des Wanderns führt zur Begegnung mit Grashüpfern oder füllt sich mit dem Verlangen nach der früheren Geliebten eines Freunds. – Die eskapistische Idylle bleibt nicht unberührt, wird aufgerissen durch Düsenjäger, Begegnungen mit dem Elend und überraschende Wahlergebnisse.

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Starnberger Hefte 15: geschichtet

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Mit dem Motto hatten wir Schwierigkeiten. Es sollte im Heft vor allem um Starnberg und seine jüngere Geschichte gehen. Zwischen Aldi und Tengelmann – das wäre zu despektierlich. Perle am See – zu ironisch. Kleinstadt – nichtssagend. Geschichte und Geschichten – ein Allerweltstitel. Die Lösung brachte Felix Strasser (Berg und Berlin) mit dem Text geschichtet, einem Aphorismus über das Wesen der Geschichte.

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Starnberger Hefte 14: Kinderjahre

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Theodor Fontane ist mit dem Alterswerk »Meine Kinderjahre« der Pate für die Dezember-Ausgabe der Starnberger Hefte. Ausgebreitet werden Kindheitserinnerungen zwischen Klosterschule und DDR, Schiebewurst der 50er-Jahre und Computerspiel-Besessenheit. Dabei wird die Zeitspanne der Kinderjahre vom Sandkasten bis zum Abiturstreich ausgeweitet. Historische Grundlagen liefert ein Essay von Wolfgang Schwalbe über Kindheit in der Antike.

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